European Food Information Resources (EuroFIR) Network
EuroFIR, das weltweit führende europäische Expertennetzwerk im Bereich Nährwertdatenbanksysteme (www.eurofir.net) ist eine Partnerschaft zwischen 47 Universitäten, Forschungsinstituten und klein- und mittelständischen Unternehmen aus 25 Ländern. Das Ziel von EuroFIR ist die Entwicklung und Integration einer verständlichen und zuverlässigen Datenbank, die eine einzelne, maßgebende Lebensmittelinformationsquelle für Europa darstellt.
Was sind Nährwertdatenbanken und warum werden sie gebraucht?
Nährwertdatenbanken stellen ausführliche Informationen über die Nährstoffzusammensetzung der Lebensmittel zur Verfügung. Eine solche Datenbank liefert beispielsweise Informationen über den Gehalt an Energie, Protein, Fett, Vitaminen und Mineralstoffen, die in einem Lebensmittel enthalten sind. Diese Werte basieren entweder auf chemischen Analysen oder werden, wie es zum Beispiel bei zusammengesetzten Lebensmittel der Fall ist, vom Nährstoffgehalt der einzelnen Komponenten abgeleitet. Im Fall einer Lasagne Bolognese werden die Nährwerte von der Teigware, vom Fleisch, von den Tomaten und von anderen Bestandteilen verwendet, um die Nährstoffzusammensetzung von 100 g Lasagne zu ermitteln. Für verschiedene Arbeitsbereiche sind Informationen über Nährstoffzusammensetzung von Lebensmitteln unerlässlich. Die folgende Tabelle zeigt einige Nutzer und den entsprechenden Nutzen dieser Informationen auf.
Tabelle 1: Nutzer und Nutzen von Nährstoffdatenbanken.
|
Nutzer |
Nutzen |
|
Landwirtschaftlicher Sektor |
Futterentwicklung mit der passenden Nährstoffzusammensetzung für verbesserte Tierleistung. |
|
Handel, Export und Gesetzgebung |
Kann in Verbindung mit Gesundheitsansprüchen und dem Codex Alimentarius [ http://www.codexalimentarius.net ] verwendet werden, um Zusammensetzungsstandards für Lebensmittel zu setzen. |
|
Umweltsektor |
Sicherstellung, dass gefährdete Tierarten Zugang zu den notwendigen Nährstoffen in ihrem Lebensraum haben. |
|
Lebensmittelhersteller und -produzenten |
Nährwertberechnung für die Kennzeichnung von Lebensmitteln. Die Nährstoffinformationen können auch für die Entwicklung von Lebensmitteln mit besonderen Nährwerteigenschaften verwendet werden. |
|
Epidemiologen und andere Wissenschaftler |
Basierend auf Daten aus Nährstoffdatenbanken sind Programme entwickelt worden, die die Analyse der Nährstoffzufuhr von Einzelpersonen und von Bevölkerungsgruppen ermöglichen. Dies wiederum ermöglicht Wissenschaftlern und Klinikern, Trends sowie Verbindungen zwischen Nährstoffzufuhr und Krankheitsrisiko zu erkennen. Dies ist zum Beispiel ein wichtiger Aspekt einer gegenwärtigen europäischen Studie, die den Zusammenhang zwischen der Nährstoffzufuhr und der Krebserkrankung untersucht (EPIC). |
|
Medizinische Fachkräfte und Kliniker |
Informationen über die Nährstoffzusammensetzung von Lebensmitteln ermöglichen klinischem Personal Menüpläne zu entwickeln, die eine Versorgung des Patienten mit allen notwendigen Nährstoffen gewährleisten. Patienten mit starken Verbrennungen benötigen beispielsweise Lebensmittel mit einem hohen Gehalt an Energie und Protein. |
|
Verantwortliche in den Bereichen Produktion, Nachhaltigkeit und Lebensmittelsicherheit |
Besonders in Ländern mit einer instabilen Lebensmittelversorgung soll gewährleistet werden, dass die vor Ort produzierten Lebensmittel genügend Nährstoffe für das Überleben der Bevölkerung zur Verfügung stellen. Ferner können Lebensmittel entwickelt werden, die im Falle einer Hungersnot den entsprechenden Regionen zur Verfügung gestellt werden können. |
|
Gesundheitslehrer und Politiker |
Informationen über die Nährstoffzusammensetzung von Lebensmitteln können als Botschaft für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden, z.B. welche Lebensmittel sind gut für die Gesundheit, welche sollen mäßig verzehrt werden und welche stellen einen wichtigen Bestandteil der Nahrungszufuhr dar. Ein Beispiel hierfür ist zum Beispiel der Zusammenhang zwischen Herzkreislauferkrankungen und unterschiedlichen Fettsäuren, und damit Lebensmitteln mit unterschiedlichen Fettsäuremustern. |
Viele Institutionen sind an der Lebensmittelanalyse, der Erfassung von Daten, und der Datenverbreitung und -nutzung beteiligt. Daher müssen diese Daten qualitativ hochwertig sein und den Anforderungen der in der Tabelle genannten Nutzer der Nährwertdatenbanken entsprechen.
Es existieren bereits über 150 Nährwertdatenbanken weltweit. Obwohl dieselben Lebensmittel in einer Anzahl der Datenbanken verzeichnet werden können, werden in manchen Fällen unterschiedliche Nährwerte für dasselbe Lebensmittel angegeben. Dies kann verschiedene Ursachen haben. Es können beispielsweise tatsächliche Unterschiede im Nährstoffgehalt der Lebensmittel, welche für die Analyse gewählt wurden, existieren. Ferner schwankt beispielsweise der Selengehalt von Getreide abhängig vom Selengehalt des Bodens. Es können auch unterschiedliche Methoden der Probenentnahme verwendet werden (z.B. Werte für Rindfleisch können auf einen Fleischschnitt einer Kuh oder auf mehreren Schnitten basieren). Außerdem können unterschiedliche Analysetechniken oder -methoden verwendet werden.
Diese Unterschiede beruhen nicht zuletzt auf einer häufig geringen internationalen Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen beteiligten Institutionen. In der heutigen Zeit der globalen Vernetzung ist dies jedoch unabdingbar. Es gibt europaweit zahlreiche prospektive, umfangreiche Kohortestudien, welche die Verbindungen zwischen Nährstoffzufuhr und unterschiedlichen Krebsarten untersuchen. Diese gestalten sich jedoch als schwierig aufgrund der unbeständigen Datenqualität der Nährwertdatenbanken. Einheitliche, zuverlässige und zugängliche Information über die Nährstoffzusammensetzung der Lebensmittel wird es erleichtern, Zusammenhänge zwischen Ernährungsgewohnheiten und ernährungsbedingten chronischen Krankheiten in den europaweiten epidemiologischen Studien zu erfassen.
Was wird EuroFIR erreichen?
Wie bereits erwähnt ist das Ziel von EuroFIR, eine verständliche und zuverlässige europäische Datenbank zu entwickeln und zu integrieren. Eine solche Datenbank stellt eine maßgebliche Nährstoffinformationsquelle, inklusive bioaktiver Substanzen mit potenziellem Gesundheitsnutzen in Lebensmitteln, dar. Des weiteren sollen Schwachpunkte, die die Entwicklung solcher Datenbanken in der Vergangenheit verhindert haben, angegangen werden, die Anwendung von Forschungsergebnissen in Politik und Gesundheitswesen soll beschleunigt, und Partnerschaften mit dem privaten Sektor sollen entwickelt werden.
Wie wird das Projekt EuroFIR umgesetzt?
EuroFIR ist eine Projektarbeit, die im Rahmen des sechsten EU-Rahmenprogramms (Lebensmittelqualität und -sicherheit) von der Europäischen Kommission finanziert wird. Diese Projektarbeit ist ein wesentlicher, untermauernder Bestandteil der Nahrungs- und Gesundheitsforschung in Europa. Die Organisation des Projektes wurde auf vier Plattformen aufgeteilt. Sie beinhaltet (1) Integrationsaktivitäten, (2) gemeinsame Forschungsaktivitäten, (3) Aktivitäten für Leistungsverbreitung und (4) Netzwerkleitung. Jede „Plattform“ besteht aus ein bis sechs Teilprojekten. Jedes Teilprojekt wird von einer oder zwei Organisationen geleitet, obwohl weitere Partner daran teilnehmen können. Einige Partner arbeiten in mehr als einem Teilprojekt. Dies fördert fortlaufende Kommunikation zwischen den Teilprojekten, die während des fünfjährigen Projektes angeregt wird.
Abbildung 1: Organisation von EuroFIR

Weitere Möglichkeiten, die verschiedenen Teilprojekte zu integrieren, sind durch Workshops und Treffen gegeben. Diese Treffen geben den Partnern Gelegenheit wich kennenzulernen und Informationen über die Ziele, den Zeitrahmen und den gegenwärtigen Stand der verschiedenen Teilprojekte auszutauschen. |