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Während die Ernährungsgewohnheiten von ethnischen Minderheiten sich an ihre neue Umgebung anpassen, werden auch ihre Ernährungsgewohnheiten mehr und mehr in die Ernährungsgewohnheiten der Bewohner ihres „Gastgeberlandes“ integriert. Mit steigender Beliebtheit von ethnischen Speisen steigt auch deren kommerzielle Verfügbarkeit in Supermärkten oder Restaurants, und sie werden oft dem Geschmack des Gastgeberlandes angeglichen, aber auch den lokal verfügbaren Zutaten. In Großbritannien zum Beispiel erfreuen sich Currys – ein Beispiel von modifizierten ethnischen Speisen – immer größer werdender Beliebtheit. Die Verkaufszahlen von indischem Essen in Großbritannien lagen Ende 2003 bei € 1.109 Millionen.
Charakteristische Ernährungsgewohnheiten findet man häufig in ethnischen Minderheiten, und mit steigender Anzahl an Personen mit unterschiedlichen kulturellen Wurzeln in europäischen Ländern, wird es immer wichtiger diese charakteristischen Ernährungsweisen zu identifizieren, damit jene die ernährungsbezogene Auskunft und Beratung erteilen wollen mit den relevanten Hintergrundinformationen versorgt werden können.
Definitionen
Ethnische Speisen: Speisen aus Ländern außerhalb des heimischen Marktes, die zu einer Esskultur beitragen, welche sich von der traditionellen Küche des Gastgeberlandes unterscheidet. Die Speisen können dabei durch Kombination von lokalen und importierten Zutaten eine Anpassung erleben, und werden zu Hause zubereitet.
Modifizierte ethnische Speisen: Eine kommerziell verfügbare Version einer ethnischen Speise, die modifiziert wurde um Geschmack und Vorlieben des Gastgeberlandes zu entsprechen. Die Speisen können dabei durch Kombination von lokalen und importierten Zutaten eine Anpassung erleben.
Ethnische Minderheiten in der EU
Europa ist das Zuhause von Leuten aus vielen anderen Teilen der Welt wie Asien, Afrika und Amerika. Ein paar Beispiele:
- In Frankreich lebten 1999 etwa 13.5 Millionen Menschen mit ausländischen Wurzeln (entweder Immigranten, erste Generation geboren in Frankreich mit mindestens einem immigrierten Elternteil, oder zweite Generation geboren in Frankreich mit mindestens einem immigrierten Großelternteil). 3 Millionen davon waren aus Algerien, Marokko oder Tunesien, 700.000 aus dem südlich der Sahara gelegenen Afrika, und geschätzte 450.000 aus China (Tribalat, 2004).
- Der 2001 Zensus für England und Wales zeigte einen Anteil der ethnischen Minderheiten an der Gesamtbevölkerung von 7.9% (4.6 Millionen), was einen Anstieg von 53% innerhalb von 10 Jahren bedeutet. Mehr als die Hälfte davon waren Asiaten oder asiatische Briten (23% Inder und 16% Pakistani), 25% waren Schwarze (immigriert oder in Großbritannien geboren) and 5% waren Chinesen.
- 2004 waren 44% der spanischen Immigranten aus Lateinamerika, 18% aus Afrika und 4.5% aus Asien. Beinahe 20% der Immigranten waren aus anderen Ländern der Europäischen Union (Instituto Nacional de Estadistica, 2004).
Beispiele für ethnische Speisen
- Reis ist die Basis der Küche aus Bangladesch. Er wird oft mit Fisch-, Huhn- oder Fleischcurry und Dahl (ein Linsencurry) serviert.
- Reis ist spielt auch in der kantonesischen Küche (Südchina) eine wichtige Rolle. Röstgerichte mit Fleisch oder Meeresfrüchten, Gemüse, mit wenig Öl und scharfen Gewürzen, werden ebenfalls häufig zubereitet.
- Typische marokkanische Speisen beinhalten häufig Reis, Couscous, Lamm, Huhn und Suppe.
- Eine typische pakistanische Mahlzeit könnte aus Chapatti (eine Fladenbrotvariation), Curry, Salat und Joghurt.
- Ghanaische Mahlzeiten bestehen häufig aus dickem Eintopf oder Suppe, serviert mit einem stärkereichen Lebensmittel wie Süßkartoffel, Reis, Kochbanane, Mais oder Maniok.
Nach Hamid & Sarwar (2004) und Thomas (2001)
Gesundheitsbezogene Ungleichheiten
Ernährung kann die Gesundheit auf vielfältige Weise beeinflussen. Es ist bekannt, dass eine Ernährungsweise die viele pflanzliche Lebensmittel wie Obst und Gemüse enthält, das Risiko einer Herzkreislauferkrankung und auch von manchen Krebssorten verringern kann. Im Gegensatz dazu, wird eine Ernährungsweise mit einem relativ hohen Anteil an gesättigten Fetten, die vor allem in tierischen Lebensmitteln zu finden sind, mit einem erhöhten Risiko dieser Erkrankungen assoziiert.
Ethnische Minderheiten haben typischerweise häufig eine schlechtere Gesundheitsprognose als die einheimische Bevölkerung. Der Anteil an stark Übergewichtigen steigt deutlich in vielen ethnischen Minderheiten, und mit steigendem Übergewicht wird eine variierende genetische Prädisposition gegenüber einer Reihe an chronischen Erkrankungen, wie Herzerkrankungen, Diabetes und Schlaganfall, zwischen den einzelnen Untergruppen ersichtlich. Im Zuge einer Gesundheitsuntersuchung in England (Health Survey for England) zum Beispiel fand man heraus, dass südasiatische Männer deutlich höheres Risiko an einer Angina oder einem Herzinfarkt zu erkranken aufwiesen als andere, wohingegen schwarze Männer mit karibischen Wurzeln und indische Männer das höchste Risiko einen Schlaganfall zu erleiden zeigten. Die Untersuchung zeigte auch, dass alle ethnischen Minderheiten außer Iren und Chinesen eine höhere Diabetesrate aufwiesen (Erens et al 2001). Informationen über die Ernährungsweise und Nährstoffaufnahme von ethnischen Minderheiten können genützt werden, um angemessene Strategien zur Verbesserung der Ernährungsweise, und damit der Gesundheit, zu entwickeln (siehe Fallstudie).
Fallstudie
Fett ist ein wichtiger Bestandteil der indischen Küche und daher kann die Gesamtaufnahme von Fett sehr hoch sein. Gewürze und Zwiebeln werden üblicherweise in Fett gebraten bevor die Hauptzutaten hinzugefügt werden (z.B. bei Currys oder Dahls). Frittierte Snacks wie Samosa und Bahajia werden häufig konsumiert. Eine Art von geklärter Butter – Ghee – wird traditionellerweise verwendet aber wird heutzutage häufig durch ungesättigte Pflanzenöle ersetzt.
Vorschläge wie man die Fettaufnahme verringern könnte:
- beim Kochen so wenig Öl oder Ghee als möglich verwenden und die verwendeten Mengen abmessen
- kein Fett zum Chapattiteig hinzufügen
- die Oberfläche von Chapatti nicht mit Öl oder Ghee bestreichen
- Pilaureis oder Birzani – beides reich an Fett – nur bei speziellen Anlässen servieren
- Chutneys kein Fett hinzufügen
(Thomas 2001)
Ethnische Speisen und EuroFIR
Im Zuge des EuroFIR-Projekts wurde die Literatur studiert, um die Bedeutung und Größe von ethnischen Minderheiten in sieben europäischen Ländern (Großbritannien, Niederlande, Deutschland, Frankreich, Dänemark, Spanien und Israel) zu untersuchen. Auch Informationen zu häufig verzehrten ethnischen Speisen und deren Zusammensetzung wurde gesammelt. Neue Nährstoffdaten von ethnischen Speisen wurden produziert.
Diese Arbeitsgruppe (work package 2.3.2) wird geleitet von Dr Santosh Khokhar von der Universität in Leeds, Großbritannien. Die Arbeitsgruppe hat sich auch mit modifizierten ethnischen Speisen beschäftigt und die Nährstoffzusammensetzung von ausgewählten Speisen studiert.
Referenzen
Erens B, Primatesta P, Prior G (ed) (2001) The Health of Minority Ethnic Groups 1999. TSO, London
Hamid F & Sarwar T (2004) Global Nutrition A Multicultural Pack. Brent NHS Teaching Primary Trust, London.
Instituto Nacional de Estadistica (2004). Explotacion estadistica del Padrón municipal 2004. Población extranjera por sexo, comunidades y provincias y nacionalidad.
Thomas B (2001) Manual of Dietetic Practice. Blackwell Science, Oxford.
Tribalat, M (2004) Intégration des populations d’origine étrangère (exposé), Groupe X-Démographie-Economie-Populatuion. http://x-dep.polytechnique.org/tribalat04.html |